In Wehrheim dreht sich (fast) alles um den Apfel

 

Am Anfang stand der Apfel und ein öffentlicher Wettbewerb über seine schmackhafte Veredelung. Der BUND Wehrheim lud vor neun Jahren zur ersten öffentlichen Apfelwein-Verkostung ein. Ein Dutzend Hobbykelterer präsentierten damals den Gästen ihre Schoppen. Inzwischen ist der jährliche Apfelwein-Wettbewerb eine fröhliche Kultveranstaltung; beim Wettstreit 2007 testeten 80 Teilnehmer 30 unterschiedliche Proben aus heimischen Kellern. Der nächste Wettstreit um den besten Schoppen findet am 10. August 2008 ab 14 Uhr auf dem Gelände des Wehrheimer Freibades statt.

 

Dieser Wettbewerb ist natürlich keine PR-Aktion zur Förderung des Alkoholkonsums, sondern dient der Besinnung auf die heimische traditionelle Kelterkultur und dem Schutz der einstmals ausgedehnten Streuobstwiesen rund um das Dorf. Diese Wiesen sind wertvolle Kulturlandschaften, die auch heute noch Platz für eine reiche heimische Pflanzen- und Tierwelt bieten und deren Anblick darüber hinaus mit knorrigen Stämmen, blühenden Bäumen oder prallen Früchten die Menschen der Region erfreuen.

 

Ein Schwerpunkt des Wirkens der BUND-Ortsgruppe Wehrheim mit heute 125 Mitgliedern ist die systematische Förderung des Obstbaues in der Gemarkung, wobei der wirtschaftliche Aspekt zwar beachtet wird, aber zweitrangig ist. Im Vordergrund steht die ökologische Bedeutung dieser Kulturform. Im Rahmen dieser Bemühungen einer Renaissance der Streuobstwiesen und Baumalleen haben Mitglieder des BUND in Wehrheim die folgenden Aktionen initiiert und teilweise selbst ausgeführt und finanziert: Finanzierung und Pflanzung einer Obstwiese mit 40 Jungbäumen, Pflanzung einer Allee mit Speierlingen an einer exponierten Straße, Revitalisierung der wenigen Alt-Speierlinge und Anpflanzung eines Hains mit Wildobst (Mispeln, Mehlbeeren, Wildapfel und -birne, etc). Als sehr populär haben sich die vom BUND zusammen mit der Gemeinde organisierten Baumschnitt-Lehrgänge erwiesen. Eine Werbeaktion für eine ökologische Schädlingsbekämpfung mit Leimringen war ebenfalls erfolgreich.

Aspekte einer ganzheitlichen Betrachtung des Obstanbaues wurden vom BUND Wehrheim in mehreren sehr gut besuchten Veranstaltungen zum Thema Imkerei vermittelt. In der Förderung der Hobbyimkerei erkennt der BUND auch künftig einen Schwerpunkt seines Wirkens.

 

Neue Freunde des Apfels gewann der BUND dadurch, dass er mehrmals im Spätherbst nach der Kelterzeit ein gemeinschaftliches Dörren ausgewählten Edelobstes organisierte. Der Ortsverband mietete für einige Tage eine mobile Dörranlage, in der Tag und Nacht in Schichten Bürger gegen eine geringe Gebühr ihr Obst für den Winter ohne Einsatz von Konservierungsmitteln haltbar machen konnten. Allein in dem obstreichen Jahr 2006 wurden so 17 Zentner Äpfel zu gesunden Chips verarbeitet.

Diese Arbeit zeigt Früchte: Die Gemeinde Wehrheim sieht sich in der Pflicht, die kommunalen Bäume fachkundig zu pflegen, neue zu setzen und ein Baumkataster anzulegen. Sie hat sich auf Empfehlung des BUND den Titel „Wehrheim – das Apfeldorf“ gegeben. Der BUND konnte zudem die Gemeinde und die katholische Kirchengemeinde im Ortsteil Pfaffenwiesbach überzeugen, Teile ihrer Streuobstwiesen interessierten Patinnen und Paten aus der Bürgerschaft zur Pflege und Ernte zu überlassen. Der größte Erfolg aber ist, dass die alteingesessene Kelterei Wagner ihre Anlage nicht demontiert hat, was als Folge eines Generationswechsels zu befürchten war. Der Juniorchef ist nicht zuletzt durch die vielfältigen BUND-Aktionen rund um den Apfel motiviert, seine Pressen weiterhin jeweils im Herbst einzuschalten.

Die kleinste Kelterei der Gemeinde ist eine vom BUND betreute und von der Gemeinde finanzierte mobile manuelle Obstpresse, die an Kindergruppen, Kindergärten und Schulen gebührenfrei ausgeliehen wird. 2007, im ersten Jahr ihres Bestehens, war sie in der Erntezeit ständig im Einsatz.

Diese und weitere Aktivitäten im Bereich Landschafts- und Naturschutz, beispielsweise für Öko-Landbau und gegen Gentechnik, haben die Wehrheimer BUND-Gruppe so bekannt gemacht, dass eine Werbeaktion im Sommer 2007 viele neue Mitglieder brachte.

Erfolgreiche Umweltpädagogik betreibt der BUND mit einer Kindergruppe mit dem Namen BUNDiten.  Durchschnittlich 15 Kinder im Grundschulalter lernen hier spielerisch die Regeln der Natur kennen, vielfach zusammen mit ihren jungen Eltern.

Bleibt noch der Hinweis, dass sich der BUND aktiv beteiligt an dem im Hochtaunuskreis bislang einzigartigen Projekt „Schulacker Limesschule“. Grundschule und Umweltverbände leisten hier das Jahr über auf einem 6000 Quadratmeter großen Acker umwelt- und sozialpädagogische Pionierarbeit.



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