Neuerborn - BODENschutz für Alle Arten

Menschen (Klima, Wasser, Ernährung), Tiere und Pflanzen (Lebensraum, Artenschutz)

Stellungungnahmen für den Erhalt Neuerborn

  • Die Offenlegung des Entwurfs zum B-Plan 1. Bauabschnitt war bis zum 28.02.2020 möglich.

  • Aktuelle Stellungnahmen dazu finden sich am Ende dieser Seite.

Kurz und bündig

Übersicht Kritikpunkte

  • Die Dimension des Baugebietes und damit einhergehender potentielle Zuzug von neuen Einwohnern liegt bei ca. 51%. Dies ist eine Größenordnung, die in Relation selbst die geplante Josefsstadt zwischen Frankfurt und Steinbach übertrifft. 

  • Wie soll ein Ort mit gut 800 Einwohnern ohne nennenswerte Infrastruktur diesen Zuwachs bewältigen? Die resultierenden finanziellen und sozialen Kosten erscheinen nicht abgewogen oder in der Planung berücksichtigt. Das Neubaugebiet liegt in Konkurrenz zur Innenentwicklung. Die Gemeinde hat wenig Bemühungen gezeigt, die Innenentwicklung zu favorisieren.

  • Es wird wertvoller Boden mit herausragender Bedeutung für die Grundwasserneubildung, Klimaschutzfunktionen (Kalt-und Frischluftschneisen) und als Kohlenstoffspeicher unwiederbringlich zugebaut.

  • Lebensraum für geschützte Arten, Flora wie Fauna, geht verloren.

  • Ein schützenswertes Biotop wird aufgegeben.

  • Es gibt keinen nennenswerten ÖPNV. Anbindung an die Taunusbahn besteht nur in Usingen und Neu-Anspach. D.h. es muss mit massiver Zunahme des Autoverkehr gerechnet werden. Dieser wird sich auf die kleine Landstraße zwischen Altweilnau und Merzhausen fokussieren.

  • Die P&R Flächen zumindest in Neu-Anspach sind bereits am Limit.

  • Der Verkehrsknotenpunkt Saalburg ist bereits überlastet.

  • Es existiert kein Fahrradweg zwischen Merzhausen und Altweilnau. Es gibt noch nicht einmal, die Möglichkeit Feld- oder Forstwege zu nutzen. Man muss also auf der riskanten Straße fahren. Zudem gibt es nur Feld- und Forstwege, auf denen man mit grösseren Umwegen dann von Merzhausen nach Usingen oder Neu-Anspach käme. Fahrradpendeln wäre hier also mit extremen Risiken verbunden.

  • Damit konterkariert das Neubaugebiet die Ziele einer Verkehrswende.

Forderungen

  • Kostbaren Boden mit für Weilrod wichtigem Grundwasserneubildungspotential und Lebensraum für bedrohte Arten erhalten.

  • Wichtige Klimaschutzzone als Frisch- und Kaltluftzone bewahren.

  • Ausschöpfen aller Möglichkeiten des Innenentwicklungspotentials, auch wenn dies einen längeren Zeitraum erfordert.

  • Boden als größten CO2 Speicher weltweit nicht unnötig bebauen.

  • Einhaltung wichtiger Bundes- und Landesvorgaben z.B zum Klimaschutz, Bruttobebauung, Konkurrenz von Neubaugebieten zur Innenentwicklung etc.

  • Mindestanforderung an Neubauten, die sich mindestens an EU Vorgaben wie z.B. 32% Einsatz von erneuerbaren Energien halten. Nutzung von Nahwärme mit guter CO2- Bilanz, Photovoltaik- und Solarthermieanlagen vorschreiben, ebenso flächensparende Bauweise, extensive Dachbegrünung und Regenwasser als Brauchwasser.

  • Trinkwasserversorgung nachhaltig und ökologisch vertretbar sicherstellen.

  • Wenn notwendig, moderate Entwicklung von kleineren Neubaugebieten in allen Orsteilen.

  • Artenschutzuntersuchungen nach Maximalstandards durchführen. Insbesondere Untersuchungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten sowie der naturnahen Gärten. Vorkommen von Bilchen und Gartenschläfern untersuchen. Habitatbäume richtig aufführen.

  • Sinnvolle und realistische Verkehrsanalyse und -prognose durchführen.

 

 

Geplantes Bauvorhaben

Die Gemeinde Weilrod plant die Entwicklung eines neuen Wohnbaugebietes mit 8,8 ha und 175 Wohneinheiten im Osten des Ortsteils Altweilnau zwischen bestehender Ortslage und Golfplatz.

Einwohnerzahlen aktuell und geplant

  • Altweilnau hat aktuell 791 Einwohner. Stand 1.1.2020.

  • Auf 8,8 ha Fläche sollen im ersten Bauabschnitt ca. 57 Grundstücke und weitere 27 im zweiten Bauabschnitt ausgewiesen werden mit insgesamt ca. 175 Wohneinheiten.

  • Man rechnet mit 2,3 Einwohnern pro Wohneinheit. Das sind damit insgesamt 402 zusätzliche Einwohner für Altweilnau. Das entspricht einem Bevölkerungszuwachs von 51 %.

Gebietsgröße 

Die geplante Neubaufläche Neuerborn (A) hat eine Größe von 8,8 ha

Dies wurde im Entwurf des B-Plans am 12.12.2019 von der Gemeindevertretung beschlossen.

Zur Erläuterung:

  • Die Fläche, die bereits jetzt im gültigen RegFNP (regionaler Flächenplan) von 2010 als Wohnbaufläche “Neuerborn” enthalten ist, ist ca. 1,84 ha groß. Die Fläche A, die nun im Änderungsverfahren der bestehenden Wohnbaufläche zugeschlagen werden soll beträgt ca. 5,8 ha. => 1,8 + 5,8 = 7,6 ha.

  • Der nun vorliegende Entwurf des B-Plans, der am 12.12.2019 von der GV beschlossen wurde, hat eine Größe von 8,8 ha. Das liegt daran, dass die Straßenfläche der K 753 und eine Fläche für eine Regenrückhaltebecken dem Gebiet zugeschlagen wurde. 

  • Die Flächen B und C sind als geplante Wohnbauflächen im RegFNP 2010 vorhanden. Die Fläche A ist derzeit keine geplante Wohnbaufläche sondern geplante “Grünfläche Sportanlage” (ca. 4,8 ha), und “Fläche für die Landbewirtschaftung” (ca. 1,0 ha). Die Fläche wird zu 93% von einer “Fläche für besondere Klimafunktionen” überlagert (ca. 5,3 ha). 

  • Im Tausch für die neue Fläche A als Wohnbaufläche, sollen die Flächen B + C in Altweilnau sowie eine Fläche D in Riedelbach als geplante Wohnbauflächen aufgegeben werden. 

  • In der Begründung des Regionalverbandes zur Planänderung wird häufig geschrieben, dass sich der Änderungsbereich A zwischen der vorhandenen Wohnbebauung befindet. Das ist jedoch nicht richtig. Bis auf einen Bereich im Süden, der sich an das bereits ausgewiesene Plangebiet für Wohnbebauung anschließt, ist dort keinerlei Wohnbebauung vorhanden!

Quelle beiden letzten Bilder: https://www.region-frankfurt.de/media/custom/3255_697_1.PDF?1574690394

Historie Entwicklung B-Plan

Seit November 2015 wird über die Neuausweisung von Wohnbaugebieten in der Weilroder Gemeindevertretung (GV) diskutiert. Im Sommer 2016 wurde der Beschluss zur Ausweisung neuer Baugebiete gefasst. Es sollten sieben kleine Baugebiete in fünf Weilroder Ortsteilen entstehen. Darunter auch die Flächen „Neuerborn“ und „Am Holzweg“ in Altweilnau sowie „Am Sommerberg“ in Riedelbach. Die letztgenannten Gebiete sollen nun im Zuge der Vergrößerung von „Neuerborn“ als Wohnbaufläche aufgegeben werden. Bei der Flächenausweisung war vorgesehen, dass „Neuerborn“ zunächst nur zur Hälfte als Neubaugebiet ausgewiesen werden soll (ca. 10 Wohnhäuser!).

Der Beschlussfassung zur Auswahl der zukünftigen Weilroder Neubaugebiete, erfolgte nach mehreren Bauausschusssitzungen und Einbeziehung der jeweiligen Ortsbeiräte. Für die Festlegung der zeitlichen Reihenfolge der Planung, die bis 2022 und ab 2022 erfolgen sollte, erhielt jede Fraktion vorab umfangreiche Unterlagen mit Informationen und voraussichtlichen Kosten.

Dieser Beschluss wurde nicht umgesetzt nachdem die FWG in der letzten Kommunalwahl die absolute Mehrheit erzielte und Herr Esser (FWG) im März 2017 zum neuen Bürgermeister gewählt wurde.

Am 26.4.2018 wurde von der GV der Beschluss zum „Neuerborn“ mit einer Größe von 5,5 ha gefasst.

Die vorliegende Machbarkeitsstudie sowie das Erschließungskonzept beziehen sich auf diesen Vorentwurf und wurden bisher nicht überarbeitet. Genauso wenig wurde der damals präsentierte Überblick über die Kosten aktualisiert. Allerdings enthielt schon diese Übersicht keinen Betrag über die zu erwartenden Kosten für die Infrastruktur (z.B. Erweiterung von Kindergartenplätzen).

Bei der Vorstellung der Pläne zu „Neuerborn“ im Ortsbeirat wurde von der Gemeindeverwaltung mitgeteilt, dass es eine Bürgerinformationsveranstaltung geben soll. Diese hat bis zum heutigen Tag nicht stattgefunden. 

So gab es auch in der Bauausschusssitzung am 21.11.2019, bei der es um den Beschluss des geänderten B-Plan-Entwurfes zur erneuten Offenlage ging, keine Diskussion. Die Ausschussmitglieder erhielten am 14.11.2019 die Einladung zur Sitzung mit insgesamt 344 Seiten Anlagen. In der Sitzung wurde nicht nur das Thema „Neuerborn“ behandelt, sondern auch die neue Stellplatzsatzung der Gemeinde. Zu Beginn wurde vom Planungsbüro die Änderungen zum B-Plan kurz vorgestellt. Fragen gab es seitens der Ausschussmitglieder keine und so ergab sich auch keine Diskussion zum Thema.

Somit gelangten auch keine Details des erneuten Entwurfs in die Öffentlichkeit.

Übersicht Kritikpunkte Bauvorhaben

Umweltauswirkungen

Boden 

  • Wichtige Speicherfunktion des Bodens für CO2 und Wasser sowie fruchtbare Böden gehen verloren. Dauerhafter Verlust des natürlichen Bodens und seiner natürlichen Bodenfunktionen (Lebensraumfunktion, Speicher-, Puffer- und Filterfunktion, natürliche Ertragsfunktion) durch Versiegelung, Abtrag, Auftrag, Umlagerung, Verdichtung, Vegetationsänderung

Klimaschutzfunktion der Fläche 

  • Regionalplan: Das Gebiet hat eine hohe Relevanz für den Kaltlufthaushalt (Klimawirksame Fläche mit hoher bis sehr hoher Bedeutung bzw. Luftleitbahn mit sehr gutem, reliefunterstützten Kalt- und Frischluftabfluss). 

  • Damit geht für die Bewohner Altweilnaus diese lokale Klimaschutzfunktion insbesondere in den wärmer werdenden Sommern verloren.

  • Umweltbundesamt: In Hessen geht es in den verschiedenen Regionalplänen um eine nachhaltige Sicherung von Gebieten als klimatische Ausgleichsräume bzw. als Luftleitbahnen. In den Regionalplänen für Mittelhessen und Südhessen werden im Detail Flächen der Kalt- und Frischluftentstehung sowie des Kalt- und Frischluftabflusses benannt, die gesichert und erhalten werden sollen. Diese Gebiete sollen von Bebauung und anderen Maßnahmen, die die Entstehung und den Transport von frischer und kühler Luft behindern können, freigehalten werden. Planungen und Maßnahmen, die die Durchlüftung von klimatisch bzw. lufthygienisch belasteten Ortslagen verschlechtern können, sind in diesen Gebieten zu vermeiden. Sie dürfen nur realisiert werden, wenn nachgewiesenermaßen keine erheblichen nachteiligen klimatischen Auswirkungen entstehen“


Quelle: Begründung zum B-Plan

Wasser 

  • Das Gebiet hat ein ausgewiesen hohes Potential für die Grundwasserneubildung. Durch eine Bebauung der Fläche geht dieses Potential verloren. Das Grundwasser steht also der Gemeinde, Menschen, Tieren und der Landwirtschaft nicht mehr zur Verfügung. 

  • Die geplanten Zisternen von min. 3 Kubikmeter sammeln zwar Regenwasser. Es wird allerdings nicht vorgeschrieben, dass dieses Regenwasser auch als Brauchwasser durch ein zweites Leitungssystem zum Beispiel für die Toilettenspülung verwendet werden soll.

  • Mit der Bebauung einher geht eine hohe Verschmutzungsgefahr für das Grundwasser. 

  • Geschätzter zusätzlicher Trinkwasserbedarf: 24.364 m3 Wasser pro Jahr für das Neubaugebiet. 

Arten allgemein

Aus der gewählten artenschutzrechtlichen Prüfung ergaben sich:

Vorkommen seltener Pflanzenarten: Echter Wiesenhafer, Heidenelke. Das dem   Bebauungsplanes beigefügte Artenschutzgutachten beschreibt das Vorkommen von 33 Vogelarten, davon 21 Brutvogelarten (überdurchschnittlich hohe Vielfalt), alle besonders geschützt.  Vereinfachte Prüfung für 26 Vogelarten, wobei vorwiegend Gebüschbrüter (Amsel, Singdrossel, Grasmücken, Heckenbraunelle, Zaunkönig), aber auch Bodenbrüter (Feldlerche, Goldammer, Rotkehlchen, Zilpzalp) nachgewiesen wurden. Ausführliche tabellarische Prüfung für 7 Vogelarten (Feldlerche, Feldsperling, Goldammer, Grünspecht, Haussperling, Klappergrasmücke, Star)
Reptilien: Nachweise von Blindschleiche und Waldeidechse 
Fledermäuse und Bilche (Haselmäuse) nicht nachgewiesen

Es gibt erhebliche Kritikpunkte an der artenschutzrechtlichen Prüfung:

  • die Flora wurde nur im Juni untersucht, ein derartiges Monitoring sollte in zwei verschiedenen Jahreszeiten stattfinden.

  • die naturnahen Gärten wurden nicht untersucht.

  • Vorkommen von Bilchen und Gartenschläfern nicht ausreichend geprüft.

  • mehr Habitatbäume  vorhanden  als im Gutachten angegeben.

  • Vorkommen von Insekten und Fledermäusen wurde nicht untersucht.

Gesetzlich geschütztes Biotop

Bei einem Teil des zu bebauenden Areals handelt es sich um ein gesetzlich geschütztes Biotop, das einen hohen Schutzstatus genießt. Dazu steht im Bebauungsplan bzw. im Artenschutzgutachten:

Da auf der weiteren Fläche noch mehr Obstbäume stehen ist diese Behauptung falsch, so steht im „Leitfaden gesetzlicher Biotopschutz des hessischen Umweltministeriums“:

„Die Formulierung in § 13 HAGBNatSchG ist demnach so zu verstehen, dass ausnahmslos alle Streuobstbestände, die außerhalb der im Zusammenhang bebauter Ortsteile liegen, unter den Schutz fallen. Die Beurteilung der Lage erfolgt anhand der tatsächlichen Lage des Streuobstbestandes im Verhältnis zur vorhandenen Bebauung. Geschützt sind danach auch solche Bestände, die außerhalb bebauter Ortsteile im Geltungsbereich eines Bebauungsplans liegen und nach dessen Festsetzungen zu erhalten und zu entwickeln sind bzw. nicht überbaut werden dürfen. In diesem Fall wäre bei einer Änderung der Festsetzungen bzw. bei einer Bebauungsplan-Änderung, die zu einer Beeinträchtigung des Bestandes führen könnte, der gesetzliche Schutz zu berücksichtigen. Der Schutz betrifft nicht einzelne Flurstücke sondern den zusammenhängenden Baumbestand, ggf. auch über Grundstücksgrenzen hinweg. Eingestreute kleine Flächen ohne den typischen Hochstammbestand (bis zu 30% der Fläche) unterbrechen nicht den Biotopschutz. Geschützt sind flächige Bestände hochstämmiger, überwiegend extensiv genutzter Obstbäume außerhalb der bebauten Ortsteile ab einer Mindestgröße von 1000 qm oder ab 10 Bäumen.„

Infrastruktur

  • Altweilnau hat keine Infrastruktur des täglichen Bedarfs, sowie Kindergärten und Schulen. Hier würden zum einen erhebliche Kosten auf die Gemeinde zukommen, um z.B. zusätzliche Kindergartenplätze zu schaffen. Die Infrastrukturfolgekosten wurden bisher nicht dargelegt.

  • Da es kaum ÖPNV gibt, würde zum anderen der Autoverkehr mit ca. 350 (175 WE je 2 KFZ) zusätzlichen Fahrzeugen in Altweilnau überproportional ansteigen. Das Verkehrsgutachten hat 606-916 Pkw pro Tag ermittelt, die zusätzlich zu dem jetzt schon vorhandenen Verkehr durch Altweilnau bzw. Richtung Merzhausen fahren.

  • Der nächste Anschluss an die Taunusbahn ist in Neu-Anspach bzw. Usingen. Damit liegt Altweilnau weit entfernt vom Frankfurter grossen Bogen.

Siedlungsdruck

  • Die Gemeinde behauptet, dass es einen Siedlungsdruck gibt, der sich darauf begründet, dass in 2018 64 Gebäude verkauft wurden, ohne dass sie angeblich aktiv beworben wurden, und aktuell noch 14 verfügbar sind. Aus diesen Zahlen und dem Fehlen von Makleraktivitäten (“Verkauf unter der Hand”) lässt sich der Siedlungsdruck nicht zwingend ableiten.  Die Gemeinde hat keine eigenen Baugebiete mehr und geht davon aus, dass die Eigentümer der 24 möglichen Baugrundstücke nicht verkaufen wollen. Das Planungsbüro argumentiert, dass man von der Elektrifizierung der Taunusbahn einen Anstieg des Bedarfs erwartet. Die Gemeinde hat ebenfalls angeblich bereits 80 Interessenten für einen Bauplatz in dem geplanten Gebiet. Im Bauausschuss im November 2019 hat der Bauamtsleiter gesagt, dass viele Weilroder auf der Liste stehen und auch einige Bauträger. Das widerlegt den Siedlungsdruck. Durch den Wegzug von Weilroder*innen aus dem Innenbereich besteht die große Gefahr, dass es dort zu Leerständen kommt. 

  • Was spricht dagegen moderat und in kleineren Flächen Baugebiete auszuweisen? Die Gemeinde begründet das damit, dass durch die Größe des geplanten Baugebietes kostengünstiger gebaut werden können. Es ist allerdings nicht ersichtlich, wie bei den hauptsächlich geplanten EFH tatsächlich günstiger Wohnraum für viele Menschen entstehen kann.

  • Die Dorfentwicklungsschwerpunkte in Hessen müssen sich per Gremienbeschluss zur Innenentwicklung bekennen und dürfen daher keine zur Innenentwicklung konkurrierenden Baugebiete ausweisen.Die Gemeinde hat in diesem Rahmen Geld bekommen und sich zur Innenentwicklung bekannt. Die Dimension der zusätzlichen Bewohner von mehr als 51% und der überproportional zur bereits bebauten Fläche Zuwachs an bebauter und versiegelter Fläche ist somit eindeutig in Konkurrenz zur Innenentwicklung.

  • Alle Statistiken sprechen aktuell für einen weiteren Bevölkerungsrückgang.
    Nach dem vom Hochtaunuskreis im Jahr 2014 veröffentlichten Prognosen ist die Bevölkerungsentwicklung in Weilrod rückläufig und der Altersdurchschnitt steigt. Daraus lässt sich schließen, dass der Siedlungsdruck nicht nachhaltig besteht und die Nachfrage nach Wohnflächen langfristig durch Leerstände in bereits bestehendem Baubestand bzw. durch innerörtliche Nachverdichtung bedient werden könnte. Zudem wird auch hier deutlich, dass das Bauvorhaben in Konkurrenz zur Innenentwicklung steht. Die Gemeinde muss sich verstärkt zuerst um die noch freien innerörtlichen Bauplätze bemühen. 

Groß statt klein

Die Gemeinde begründet die Planung dieses riesigen Baugebietes statt mehrerer kleiner Baugebiete damit, dass kostengünstigeres Bauen dadurch möglich wird. Aufgrund der bisherigen Planung mit vorwiegend EFH und der nur geringen Anzahl Mehrfamilienhäuser, für die es wenig Interesse bisher gibt, profitieren hier nur EFH Besitzer und nicht Menschen, die auf günstigen Wohnraum angewiesen sind.

Unterschreitung Bruttowohnbauland

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  • Es sind Ein- und Zweifamilienhäuser geplant. Es ist lt. Bebauungsplan auch eine Fläche für Mehrfamilienhäuser vorgesehen, laut Planungsbüro gibt es hier allerdings kaum Nachfrage.

  • Die Gemeinde kommt durch das Planungsbüro auf eine Bruttonwohnbaufläche von 4,825 ha und so mit ihren Berechnungen bei 124 WE auf die geforderten (4,825ha/124) auf die geforderten 25 WE pro Hektar. 

  • Diese Berechnung ist nicht nachvollziehbar.

  • Es ist höchst fraglich und unrealistisch anzunehmen, dass in allen EFHs tatsächlich Einliegerwohnungen gebaut werden. Damit würde faktisch wertvoller Raum tatsächlich von wenigen Menschen ausgenutzt und die Vorgaben der Regionalplanung nicht eingehalten.

Aus der Begründung zum B-Plan:

„Der  räumliche  Geltungsbereich  des  Bebauungsplanes  (1.  Bauabschnitt) umfasst insgesamt  56.542 m². Hiervon entfallen auf das Allgemeine Wohngebiet rd. 39.251 m², die Straßenflächen rd. 10.662 m² (davon 4.955 m² Bestand K 753), die Verkehrsflächen besonderer Zweckbestimmung rd. 1.173 m², die Grünflächen rd. 3.652 m² und die Flächen zum Erhalt und zum Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen rd. 1.806 m².“

„Im  städtebaulichen Gesamtkonzept  sind  rd.  80  Grundstücke  für  Einzel-  und  Doppelhäuser  sowie  drei  Grundstücke für Mehrfamilienhäuser geplant. Der 1. Bauabschnitt beinhaltet dabei 53 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser und die drei Grundstücke für Geschosswohnungsbau, wobei von einer rd. 20 %igen Ausnutzung durch Doppelhäuser ausgegangen wird. Unter der Annahme, dass – außer bei den Doppelhäusern – überwiegend zwei Wohneinheiten je Gebäude (hierzu zählen auch Einliegerwohnungen) bzw. sechs Wohneinheiten pro Mehrfamilienhaus realisiert werden, entstehen somit rd. 124 Wohneinheiten. Bei einem  Bruttowohnbauland  (die  Bestandsstraße  und  der  Waldrandabstand bleiben  unberücksichtigt)  von rund 48.250 m² kann eine Dichte von rd. 26 WE/ha nachgewiesen werden.“

Klimaschutz und Energiemanagement im Bauplan

Die Gemeinde legt keine über den gesetzlichen Rahmen hinausgehende Bauvorgaben fest. Insbesondere lehnt sie es ab, eine Mindestquote von 32% für EE äquivalent zur Zielgrösse der EU für EE festlegen und will es den Bauherren überlassen, nach hohen Effizienzstandards zu bauen.

Im Juni 2019 wurde einem Antrag der Weilroder Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen zur ökologischen Ausrichtung des B-Plans „Neuerborn“ mit großer Mehrheit zugestimmt. Dieser Beschluss der Gemeindevertretung wurde jedoch nicht umgesetzt.

Eine Nahwärmeversorgung –einer der Grundsäulen einer ökologischen Wohnbausiedlung- wird es nicht geben. Die Gemeinde antwortete auf eine entsprechend eingereichte Stellungnahme zu dem Thema:

Für eine Nahwärmeversorgung wird ein Betreiber benötigt, der nicht zur Verfügung steht, da dies für dieses verhältnismäßig kleine Baugebiet wahrscheinlich nicht wirtschaftlich darstellbar ist. (...) Ggf. wäre hierfür eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Daher und unter Berücksichtigung des mit der Anlage einhergehenden Flächenbedarfs für Betriebs-, Lager- und Verkehrsflächen sowie der ggf. entstehenden Emissionen hat man sich gegen eine Nahwärmeversorgung des Neubaugebietes entschieden.“

Insgesamt fehlen Vorgaben zu einer ökologischen Ausrichtung des B-Plans wie z.B.:

  • Beruhigtes, kindgerechtes Wohnen; Konzentration der Parkflächen/Carports an den Rand der Siedlung

  • Reihen- oder Kettenhäuser als kompakte flächensparende Bauform: Reihenhäuser haben ein kompaktes, günstiges Verhältnis der Außenfläche zum Innenvolumen und zeichnen sich durch flächensparende kleine Grundstücke aus. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass wir uns flächenbeanspruchende Siedlungsformen, wie im vorliegenden B-Plan Entwurf, nicht mehr leisten können!

  • Wohngesunde und ressourcenschonende Architektur in Holzrahmenbauweise

  • Niedrigenergie-Standard (mind. 25% - 40% unter der aktuellen EnEV)

  • Extensive Dachbegrünung 

  • Nutzung von Nahwärme mit guter CO2-Bilanz (Verwendung von Hackschnitzeln aus Weilroder Wäldern)

  • Photovoltaik- und Solarthermieanlagen

  • Regenwassernutzung als Brauchwasser

Im Entwurf zum B-Plan wird darauf verwiesen, dass die Verpflichtungen zum energiesparend Bauen gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV) und Bau von Solaranlagen, gemäß dem Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (EEWärmeG), ausreichend seien.

Es ist jedoch nicht jeder Neubau verpflichtet, die Vorschriften des EEWärmeG einzuhalten. Es gibt Ausnahmen, die es ermöglichen, keine erneuerbare Energien einzusetzen. Das EEWärmeG ist seit dem Jahr 2009 in Kraft. Im Neubaugebiet „Im Seifen“ (Weilrod-Emmershausen) sind im gleichen Jahr die ersten Häuser errichtet worden und im Jahr 2019 das letzte. Dort gibt es von 10 Häusern nur eines, das eine Solaranlage hat!

Die Bestimmungen der EnEV werden bei der Bauausführung von niemandem überprüft. Aus Praxiserfahrungen im Baubereich ist bekannt, dass diese oft auch nicht eingehalten werden. Bei Energieeffizienzhäusern dagegen ist eine Baubegleitung, einschließlich detaillierter Dokumentation, durch einen Energieberater vorgeschrieben. Durch die staatliche Förderung sind diese Effizienzhäuser nicht teurer in der Herstellung als Häuser, die nach den Vorschriften der EnEV gebaut werden. Auf ihre Lebensdauer gesehen, sind die Effizienzhäuser durch die eingesparten Heizenergiekosten sogar kostengünstiger.

Insofern ist es notwendig, hinsichtlich der Nutzung von erneuerbaren Energien sowie der Energieeinsparung weitergehenden Vorgaben in den Bebauungsplan aufzunehmen, um den Klimaschutz möglichst schnell voranzutreiben. Wir sollten alles tun, um einen Klimakollaps abzuwenden!

 

B-Plan und öffentliche Informationen

Gemeinde Weilrod: 

https://weilrod.de/index.php/leben-wohnen/bauen/bebauungsplaene-2

 

Regional Verband:

Änderung des Regionalplans Südhessen / Regionalen Flächennutzungsplans 2010 https://www.region-frankfurt.de/media/custom/3255_697_1.PDF?1574690394